Folgendes Zitat eines augenrollenden Achtklässlers von gestern lässt mich nicht mehr los:

Das war seine Reaktion auf meine Ermahnung, weil er schon wieder ein Bild in seine PowerPoint-Präsentation eingefügt hatte, zu dem es keine Quelle gab – und siehe da, er durfte es gar nicht benutzen!

Dabei sprach er eigentlich nur aus, was wohl auch die anderen Gruppen im Computerraum dachten, die an ihren Präsentation zur Situation Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg arbeiteten. Massig Originalfotos, Gemälde und auch Smileys waren auf den flackernden Bildschirmen zu sehen. Meine “Ermahnung” am Anfang sowie der Hinweis auf dem Arbeitsblatt  wurde mal wieder ignoriert.

Bevor ich mich aber aufregte, schaute ich mir die Bildersuche der Gruppen mal genauer an:

  1. Man öffnet den Browser und gibt “google” im Adressfeld ein 🙈.
  2. Nachdem also “google” gegoogelt wurde, wird zum Beispiel der Begriff “Versailler Vertrag” eingegeben.
  3. Man sieht zum Beispiel folgende Ergebnisse:

    Screenshot Google Bildersuche “Versailler Vertrag” – 16. Juni 2016

    Die Hälfte der Schüler klickt nun auf ein Bild, dann auf “Originalgröße” und speichert es bzw. zieht es direkt in die Präsentation. Jetzt kommt meine Überraschung: Die andere Hälfte macht sich noch nicht einmal diese Mühe, sondern zieht einfach das kleine Thumbnail-Bild auf die Präsentation!!!!

  4. Man freut sich, dass man ein Bild gefunden hat und ist zufrieden, ohne überhaupt geprüft zu haben, ob das Bild benutzt werden darf oder welche Dinge man angeben muss. Argh!
  5. Dann beschriftet man die letzte Folie mit “Vielen Dank für die Aufmerksamkeit” und setzt einen Smiley aus der Bildersuche dazu, auf dessen Grinsen auch noch groß und fett Shutterstock prangt.

Ich atme also tief durch, unterbreche die eigentliche Gruppenarbeit und erkläre nochmals “wie das mit den Bildern” funktioniert. Im Anschluss setze ich mich bei jeder Gruppe dazu, lasse sie ein Bild über Wikicommons und Pixabay suchen und zeige ihnen welche Möglichkeiten sie haben, die Quelle anzugeben – entweder als Textbox direkt darunter oder der Reihenfolge nach gesammelt als Folie am Schluss. Schließlich zeige ich ihnen auch noch, dass man bei der Google Bildersuche direkt die Lizenzrechte einstellen kann:

Screenshot Google Bildersuche: Lizenzeinstellungen – 16. Juni 2016

Das Beispiel zeigt mir mal wieder, dass noch sehr viel im Bereich Medienkompetenz in den Schulen gemacht werden muss. Aber nicht nur bei den Schülern, sondern vor allem auch bei den Lehrern – wer soll es ihnen sonst zeigen und sie darauf hinweisen?

Nützliche Links für “freie” Bilder: 

 

Photocredit: https://pixabay.com/en/photos-images-wood-background-1167847/

14 Kommentare

  1. Nicht unterschlagen sollte man allerdings ehrlicherweise auch, dass Schüler_innen nach Vorbildern lernen: kaum eine Lehrkraft nennt ihre Quellen für das selbstgefertigte (oder irgendwo heruntergeladene) Arbeitsblatt, für den Textauszug, für die Bilder; von Vollständigkeit ganz zu schweigen. Es geht dabei gar nicht zuerst um Medienkompetenz (gemeint hier: Google bedienen können), sondern zunächst um Transparenz, Nachprüfbarkeit und (im Falle gymnasialer Bildung) wissenschaftspropädeutisches Arbeiten.

    • Da stimme ich dir völlig zu! Deshalb schreibe ich am Ende auch, von wem sie es denn lernen sollen.
      Wir sind also eigentlich einer Meinung, du hast diesen Aspekt wohl nur besser auf den Punkt gebracht 😃

  2. Danke fürs awareness raising. Das Problem ist sicherlich weit verbreitet. Ich denke auch, dass das schlechte Vorbild vieler Lehrer/innen ein wichtiger Grund ist. Der andere ist, dass es von Lehrer/innenseite selten eingefordert wird. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schüler/innen sehr zügig lernen, Quellen korrekt anzugeben, wenn es ein zentrales Bewertungskriterium ist. Ich habe jedenfalls schon lange keine Präsentationen ohne Quellen bei mir im Unterricht gesehen.

    Eine Frage noch: Du schreibst:

    und siehe da, er durfte es gar nicht benutzen!

    Wie meinst Du das genau? Die Vorführung im Klassenraum ist meines Wissens keine öffentliche Darbietung, daher sollte eine urheberrechtliche Einschränkung nicht bestehen, oder irre ich mich? Man darf also prinzipiell alle Bilder benutzen. Die Forderung nach einer Quellenangabe stammt meines Erachtens eher aus der guten wissenschaftlichen Praxis.

    Ich habe übrigens vor Jahren einen Artikel für Schüler/innen dazu geschrieben, wie man Quellen korrekt angibt. Das entspricht nicht irgendeiner formalen Vorgabe wie MLA o.ä., sondern beschränkt sich auf das, was ich in der Schule für sinnvoll halte. Vielleicht ist das ja nützlich – der Artikel ist mit Abstand der am häufigsten aufgerufene auf unserer Website.

  3. Eine Bitte: Da mir dieses Thema sehr wichtig ist, kannst du irgendeinen meiner Artikel ansehen, ob diese Anforderungen so erfüllt werden bzw. ob das zu viel oder zu wenig ist … ich finde die Listen schon immer extrem lang …

    • Hallo Wolfgang!

      Schön, dass du dir Gedanken machst und die Quellen richtig angeben möchtest!

      Zuerst das Positive: du hast fleißig die Links inklusive des Datums des letzten Aufrufs angegeben. Sehr gut!

      Nun das Negative: Ich habe in deinem Blogbeitrag “Die vielen Gesichter des Eiffelturms” etliche Bilder gefunden, die du so (wahrscheinlich) gar nicht weiter nutzen darfst. Wenn du z.B. auf Spiegel Online weiterleitest, dann siehst du dort die Angabe unter dem Bild “Reuters”. Spiegel Online wird daher Nutzungsrechte an dem Bild gekauft haben. Nur durch Angabe des Links ist das Urheberrecht bzw. der Kopierschutz nicht gewährt.

      Wenn du es also wirklich richtig machen willst, musst du “freie” Bilder nutzen und dabei natürlich auch alle Rechte wahren oder die Nutzungsrechte der Bilder bei den entsprechenden Agenturen/Seiten/etc. kaufen.

      Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.

      Viele Grüße
      Nina Toller

      • Danke dir! Nur leider wird es diese Bilder kaum ‘frei’ geben. Musste bei manchen Gebäuden froh sein, überhaupt welche zu finden …
        Was kann man dann machen …?

        • Du kannst bei den Agenturen/Verlagen anfragen, ob du das Bild kostenlos zu einem nicht-kommerziellen Zweck auf deinem Blog nutzen darfst. Ansonsten darfst du es halt nicht nutzen!

          Eine Grauzone, soweit ich weiß, ist, dass du nur den Link in deinem Blog angibst, das Bild selbst aber nicht zeigst.

          Grüße

          • Wenn ich das Bild nicht zeige, dann kann ich ja auch kaum dagegen verstoßen…
            Was noch interessant wäre: Es werden doch meist gleich Videos oder ganze Bildabfolgen ohne Quellenangaben gezeigt – da passiert dich auch nie etwas, oder?
            Und das ist auch schwerwiegendender als mein Fall …

          • Ich habe dich aber so verstanden, dass du es “richtig machen” willst und eben nicht hoffst, dass “nichts passiert”. *moralischeLehrerstimme*

          • Und wie steht es damit, wenn ich ganze Seiten verlinke und Quellen angebe, obwohl sich auf dieser Seite ein geschütztes Bild befindet?

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