Analog-Digital-Mix: Geschichtsreferate

Vor einiger Zeit fing ich an eine fast komplette Unterrichtsreihe im Geschichtsunterricht der achten Klasse mit Referaten zu gestalten. Die Anfänge der Industrialisierung in Deutschland besprachen wir noch zusammen, die Entwicklungen sollten dann von den Schülern übernommen werden.

Ganz im Sinne einer Medienschulung sollten die ersten Referate mit einem Handout gestaltet werden, das den dazugehörigen Vortrag vor der ganzen Klasse zusammenfasste. Ich merkte schnell, dass viele Schüler selbst in der achten Klasse keine Vorstellung von einem Handout hatten. Also fertigte ich nicht nur eine Vorlage an, sondern nutzte auch immer eine Schulstunde für Tipps und Tricks in der Textverarbeitung:

Per Klick kommt man zum editierbaren Pages-Dokument

 

Das Problem daran war aber, dass alle Vorträge hintereinander gehalten wurden – und dann gab es da ja noch die zweiten Gruppen zum Thema. Sollte man auf deren Vorträge verzichten und sie nur ergänzen lassen oder sollte es einfach noch eine Runde von Vorträgen geben? Die Schüler wurden verständlicherweise schnell unruhig. Also musste ich mir etwas anderes überlegen.

 

Gallery Walk | Museumsgang

Zwar musste in dieser Version das Handout weichen, aber die Präsentationsphase war viel besser organisiert: Die Schüler bereiteten in Gruppen Plakate vor, die sie dann in neuen Kleingruppen vorstellten. Alle Plakate wurden im gesamtem Klassenraum aufgehängt und nach einer gewissen Zeit ging die Gruppe weiter zum nächsten Plakat und ein anderes Gruppenmitglied stellte das neue Thema vor. Über das Smartboard im Raum zeigte ich einen Timer, sodass immer alle Gruppen den zeitlichen Überblick hatten. Entsprechend der neuen Methode passte ich die Aufgabenstellung an und gab nur noch die Tipps zum Vortrag.

Hier gab es allerdings auch ein Problem: Die Plakate waren nicht auf einen Vortrag ausgelegt, sondern waren oft mit Fließtext vollgeschrieben, sodass man sich als Zuhörer eigentlich alles durchlesen konnte. Das übliche Problem also, das man auch von so mancher PowerPoint-Präsentation kennt. Also musste auch hier eine kleine Schulung stattfinden – und die nächste Idee war geboren.

 

Gallery Walk mit „digitalen“ Elementen

Die Schüler mussten also erst einmal verstehen, welchen Zweck ihr Plakat haben sollte. Der Vortrag steht im Mittelpunkt, das Plakat mit Schlagwörtern und Symbolen soll den Vortrag visuell unterstützen. Meine neue Aufgabenstellung sieht in diesem Schuljahr also so aus:

Nach der Einteilung der Gruppen und Vergabe der Themen machte ich wieder eine kleine Methodenschulung. Zur visuellen Gestaltung nutze ich die Tipps von Wibke Tiedmann und Stefanie Maurer auf ihrer Seite Sketchnotegame und gab diese einfach an die Schüler weiter. Erste Erfolge zeigten sich:

 

Einige Gruppen wollen sogar eine kleine gemalte Geschichte auf ihre Plakat bringen, sodass sich Wörter in Zeichnungen verstecken und eine Art Entwicklung zeigen. Auch hierbei fingen die Schüler an sich Vorlagen im Internet zu suchen, die sie aber benutzen dürfen:

Für den Medienmix zeigte ich ihnen ebenfalls wie man QR-Codes erstellt, um beispielsweise Animationen oder GIFs einzubinden, die man auf einer 2D-Papierversion eben nicht zeigen kann. Da das natürlich immer ein bisschen schnell geht im Unterricht, können sie sich immer auch das kurze Erklärvideo dazu ansehen. Eine Gruppe hat sich hier beispielsweise landwirtschaftliche Maschinen ausgesucht, die sie lieber mit Animationen bzw. GIFs erklären wollen:

Da sie vor allem die „Bilder sprechen lassen“ sollten, musste natürlich auch sichergestellt werden, dass sie die Bilder benutzen dürfen. Nächster Aha-Moment also: Man darf nicht alle Bilder benutzen?! Auch hier können sie sich das dazugehörige Erklärvideo immer wieder anschauen, ich stellte es ihnen ebenfalls über den QR-Code auf dem Übersichtsblatt zur Verfügung, sodass sie jedes Mal nochmals nachsehen konnten, wie es funktioniert.

Gemeinsam fanden wir dann auch noch heraus, wie man YouTube-Videos zum GIF machen kann, sodass sie kleine Sequenzen, zum Beispiel zu landwirtschaftlichen Maschinen, mit QR-Code verlinken konnten.

 

Vom Entwurf zum Plakat

Wichtig ist mir bei der Erstellung der Plakate auch, dass sich die Schüler vorher Gedanken machen und ihre Arbeit strukturiert planen. So wie sie bei anderen Aufgabenstellungen vorher Storyboards erstellen, sollen sie hier ihr Plakat in Mini-Version als Entwurf planen.

Das soll ihnen sowohl helfen die Fläche des Plakats einzuteilen, aber auch genau zu sehen, welchen Text sie benötigen, sodass sie eben nicht alles voll schreiben, sondern eben Symbole und auch Bilder zur Visualisierung nutzen.

Das Präsentationsmaterial stelle übrigens ich allen Gruppen zu Verfügung: Alle erhalten ein Blatt FlipChart-Papier sowie Permanent-Marker zum Schreiben und bunte Stifte in allen Formen, um Dinge hervorzuheben und zu „dekorieren“.

Was mich bei dieser Vorbereitungsrunde besonders freute, dass einige Gruppen von sich aus einige Fragen vorbereitet haben, die sie ihren Zuhörern dann in Form eines Kahoots stellen wollen.

In der Woche nach den Herbstferien werden alle Gruppen präsentieren (ich unterrichte zur Zeit in drei Klassen parallel). Ich bin gespannt, wie es diesmal mit der neuen Variante klappt und auch, was die Schüler rückmelden werden. Ich werde dann ein Update schreiben 😇

Habt ihr noch weitere Tipps, wie man optimieren kann?

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