Unterrichtsprojekt: Utopia-Dystopia

Gerade in diesen Zeiten ist Projektarbeit eigentlich das Beste, was man als Lehrkraft mit seinen Klassen und Kursen machen kann. In diesem Schuljahr habe ich das „Project“ komplett in Distanz laufen lassen – alle Schülerinnen und Schüler hatten Zugriff auf die Materialien online und sollten auch ihre Ergebnisse online bereitstellen. Ich dachte mir, dass bestimmt die ein oder andere Englisch-Lehrkraft dieses Projekt in der Oberstufe ebenfalls gut umsetzen kann, daher möchte ich hier zumindest grob den Überblick geben – mit Erlaubnis darf ich auch einige Ergebnisse teilen!

Voraussetzungen

  • technisch: Online-Speicher oder E-Mail: hier müssen die Materialien bereitgestellt werden können
  • technisch: Online-Speicher oder E-Mail: hierüber müssen die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse teilen können
  • methodisch: Präsentationsprogramme sind bekannt und können angewendet werden
    • Tipp 1: kostenlose Layout-Vorlagen, die etwas „frischer“ wirken, findet man z.B. bei Slides Carnival oder Slides Go
    • Tipp 2: kostenlose Piktogramme findet man z.B. bei Flaticon
  • methodisch: eigenständiges Arbeiten mit Wahlfreiheit und Formatfreiheit ist eingeübt bzw. wird von der Lehrkraft begleitend unterstützt
  • zeitlich: da es komplett „neben“ dem eigentlichen Unterricht lief, hatten sie ca. 1,5 Monate dafür Zeit
  • zeitlich: die Abgabefrist sollte so gewählt werden, dass die Lehrkraft in der Zeit auch individuelle Rückmeldungen geben kann

Die Aufgabenstellung

Das Aufgabenblatt kann man sich hier als Pages-Datei und PDF herunterladen.

TASK I: Utopian Literature

Die Textauszüge stammen aus einem Cornelsen-Heft, daher kann ich die Vorlagen hier leider nicht zum Download anbieten.

Wer genau die gleichen Auszüge nutzen möchte, es gibt mehrere Optionen:

OPTION 1 Literaturangaben

  • Utopia by Thomas More, translated with an introduction by Paul Turner, Penguin Classics, 1961, pp. 54-57
  • Looking Backward: From 2000 to 1887 by Edward Bellamy, Signet Classic, 1960, pp. 115-118
  • Herland by Charlotte Perkins Gilman, Pantheon Books, 1979, pp. 44-47
  • Ecotopia by Ernest Callenbach, 1975; used by permission of Bantam Books, a division of Random House, Inc.; pp. 192-194

OPTION 2 Online-Texte

Zum Beispiel gibt es das Project Gutenberg. Es heißt, Texte können genutzt werden „for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it“. Wegen eines unterschiedlichen Copyright-Verständnis‘ bzgl. dreier Autoren (Heinrich Mann, Thomas Mann, Alfred Döblin) sind deutsche IP-Adressen erst einmal geblockt. Das kann man mit einem VPN-Client umgehen, wenn man möchte und hat dann trotzdem Zugriff auf die komplette Gutenberg-Bibliothek. Bis auf den Ecotopia-Text sind dort alle zu finden. Diesen findet man aber zum Beispiel hier.

Um die Auszüge einschätzen zu können, hier Anfang und Ende der Texte:

  • More: „Now for their system of local government.“ – „…people actually produce what the human race consumes.“ (Das Original ist in Latein verfasst; hier kommt es also auf die Übersetzung an, wie genau die englischen Wörter gewählt wurden.)
  • Bellamy: „Chapter 15 – When, in the course of our tour of inspection…“ – „…Mrs. Leete’s only comment was a smile.“
  • Gilman: „That afternoon we were all sitting together on the roof“ – „Is it not so with you?“
  • Callenbach: „ECOTOPIA: CHALLENGE OR ILLUSION?“ – „Ecotopians, incredibly enough, enjoy their work.“

Mein Englisch-Leistungskurs hat alle Texte ausgewählt, die meisten haben sich für More und Gilman entschieden. Einige Ausschnitte möchte ich an dieser Stelle zeigen:

Jule hat sich für Herland entschieden und direkt am Anfang ihrer Präsentation einen Disclaimer für evtl. sich verletzte Männer geschrieben. 😄
Jule hat außerdem wenig Text genutzt und vor allem viele Icons, damit die Präsentation nicht zu überfrachtet, aber dennoch alles verständlich ist.
Luka hat in Google Docs eine Art Magazin verfasst. Hier konnte ich gleichzeitig auch kommentieren und auf etwaige Verbesserungen hinweisen.
Emma hat sich bei Herland für eine Mindmap mit Color-Coding entschieden, um alle Ideen abzudecken.
Claudia hat sich eine ganze Geschichte ausgedacht und darin die Aufgaben eingebettet. HIer ist ihre Hauptfigur beispielsweise in einem Buchladen und wird auf den Roman Herland aufmerksam. In dieser Art und Weise hat sie alle Aufgaben bearbeitet und damit selbst ein bisschen „Literatur“ geschaffen. 😃

TASK II: Utopian/Dystopian Movies

Da sich die Schülerinnen und Schüler hier tatsächlich komplett frei entscheiden konnten, gab es eine große Anzahl an Filmen. Das finde ich für mich auch immer besonders spannend, so habe ich direkt eine neue „To-Watch-Liste“ 😉 Die Empfehlungen der Schülerinnen und Schüler helfen mir dabei wirklich weiter und ich habe schon so manchen Film ihretwegen geschaut.

Viele haben sich diesmal für die „gängigen“ Dystopia-Filme wie Hunger Games oder Divergent entschieden. Es waren aber auch welche dabei, von denen ich noch nichts hörte. Auch hier darf ich ein paar Einblicke geben:

Paula hat sich für Divergent entschieden und mit ihrem Präsentationslayout viele wichtige Dinge gut hervorgehoben. Hier z.B. das Setting.

…und hier mit dieser Art Timeline die Handlung.
Marlon hat sich für Blade Runner 2049 entschieden und dabei auch eigene Schwerpunkte, wie hier Philosophie, gesetzt, diese aber mit dem Hauptthema Dystopia verbunden.
In seinem Fazit schreibt Marlon wie gut der Film vor allem aus Sicht der Technologie zu unserer heutigen Zeit passt. Sein Design passt meiner Meinung nach gut zum Film!
Viola entschied sich für In Time und hat die Folien sehr gut in ihrer Schlichtheit und Möglichkeit der Gegenüberstellung genutzt.
Ein kleines Gimmick baute sie passend zum Film noch zum Ende ein. 😉
Emma entschied sich bei diesem Teil für eine Präsentaion bei Prezi. Den Film IO konnte sie hier besonders gut mit den Effekten darstellen, die Prezi bietet. Den Link hat sie einfach in ihren Ordner gepackt, sodass ich ohne Probleme darauf zugreifen konnte.
Claudia hat auch den Film in ihre selbst geschriebene Geschichte eingebunden und ihre Hauptfigur einfach eine Filmrezension in einem Magazin lesen lassen. So gut überlegt!

OPTIONAL TASK Experimental utopian communities

Die dritte, freiwillige Aufgaben haben wie erwartet nur wenige Personen bearbeitet – was ja aber völlig in Ordnung ist! Man konnte hier nur Pluspunkte sammeln, weil es eben wirklich freiwillig war.

Eine Schülerin, Emma, hatte sich die Brook Farm ausgesucht und ein Video gedreht. Besonders gut gelungen: Sie hat ihre Sammlung von Benjamin-Blümchen- und Hello-Kitty-Figuren für die Charaktere genutzt und die Themen im Explainity-Stil handschriftlich auf Blätter geschrieben und diese gezeigt, während sie viel darüber erzählte.

Insgesamt sind wirklich tolle Ergebnisse entstanden und die Schülerinnen und Schüler haben sich an vielen Stellen viel Mühe gegeben. Es gab auch die ein oder andere Stelle, die „zu gut“ klang und sich dann als reine Internetkopie herausstellte, aber das habe ich dann auch kommuniziert und nicht weitergelesen. Das waren auch wirklich nur Ausnahmen. Auch die Rückmeldung des Kurses zeigt, dass es ihnen Spaß gemacht hat und sie es mal „ganz cool“ fanden, einen Film zu schauen, über den sie dann berichten müssen und den sie sich dann auch noch selbst aussuchen durften.

Ich hoffe, dieser grobe Überblickt gibt euch einen Einblick in das Projekt und kann euch ein bisschen bei eurer Projektplanung unterstützen! Kommentiert gern, wie es bei euch zum Einsatz kam.

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