5 Tipps zum Üben der Schreibkompetenz

„What would you do if when you ok so he said yes would go?”

Das war der Aufhänger meines Reels zur Korrektur der Englisch-Arbeiten. Neben dieser lustigen Seite wollte ich ganz konkret wissen, wie andere Lehrkräfte vor allem das freie Schreiben im Englischunterricht fördern.

Herausgekommen sind ganz viele Tipps unterschiedlichster Art. Diese möchte ich hier sammeln und meine daraus überlegte Vorgehensweise vorstellen. Ich bin selbst gespannt, ob ich das so mit meinen Klassen machen kann. Fest steht aber, dass wir an die Schreibkompetenz „ran” müssen. Bisher stand bei mir nämlich vor allem die Mündlichkeit im Vordergrund: sodass sie sich wirklich trauen, sich zu unterhalten.

Die Vorschläge auf Instagram habe ich in fünf Kategorien unterteilt:

1 Früh beginnen
2 Scaffolding: Chunks, Wortanzahl, Zeit
3 Differenzierung
4 Authentische Schreibanlässe
5 Kreative Umsetzung

1 Früh beginnen

Schon im ersten Lernjahr sollten kleine Schreibaufgaben integriert werden. Anfangs ist dies noch sehr gelenkt, kann dann aber mit mehr Übung und mehr Wortschatz immer offener werden. Mehr zur Lenkung in Kategorie 2.

Auch wenn manche Schulbücher recht wenig Schreibanlässe bieten, kann man die Themen, zu denen es ja dann auch Lernwortschatz gibt, zu einer kleinen Schreibübung formulieren.

Beispiel: In meiner 6. Klasse kamen gerade Mengenangaben (a bag of, 1 kilo of…) und Preise ( £1.49, $3.79, 2.99€ – coins, bills) vor. Sie sollten sich zu Hause in die Küche setzen und mindestens 5 Dinge mit Mengenangaben aufschreiben. Zum Beispiel, was sie finden, wenn sie den Kühlschrank öffnen. Diese Angaben sollten dann in mindestens 5 Sätze eingebettet werden: There is a bottle of milk in the fridge. We need another bottle of orange juice.
→ Kleiner Fun fact am Rande: Dabei haben wir herausgefunden, dass man eher „carton of milk” für Frischmilch im Tetrapak und „a box of milk” für H-Milch im Tetrapak im Englischen nutzt. 😇

2 Scaffolding: Chunks, Wortanzahl, Zeit

Wenn man früh beginnen möchte, muss man den Schülerinnen und Schülern ein gut funktionierendes Gerüst bieten, das sogenannte Scaffolding.

Dieses Gerüst hat mehrere Bestandteile:

  • Bausteine: useful phrases (allgemein und zum Thema passend), linking words / connectives, usw.
  • Fester Rahmen: viel Zeit und geringe Wortanzahl, damit überarbeitet werden kann
  • Blue prints: Textmuster, Beispielsätze, Satzanfänge
  • Kontrollhilfen: Checklisten, Partnerkorrektur, Schreibkonferenz, eigene erstelle Erwartungshorizonte

Dieses Gerüst wird dann schrittweise immer weiter abgebaut. Wenn es aber neue Strukturen gibt, die man unterbringen soll, kann man ja wieder aufbauen 😉

Auch in der Oberstufe kann man noch ein kleines Gerüst anbieten, zB wird nur ein Absatz geübt, nicht direkt die ganze Analyse. Dabei helfen „linking words” – da reicht keine einfach Liste, sondern sie müssen im Kontext angewendet werden.

Besonders hilfreich ist es dann, vor allem am Anfang, die Aufgabe in der Arbeit ähnlich zu stellen und auch auf die Verwendung des Lernwortschatzes zu achten. So kann man zB nur das Setting in der Klassenarbeit ändern, während die gelernten Strukturen trotzdem genutzt werden können.

3 Differenzierung

Achtung: In NRW dürfen wir im Unterricht differenzieren, d.h. ganz viele Hilfskärtchen, Vorstrukturierung usw anbieten, in der Überprüfung aber nicht. Da müssen alle die gleiche Arbeit schreiben. Ich weiß aus meinem Ref in Stuttgart, dass es zB in BaWü anders ist. Dort kann man dann zB anbieten, wenn ein Schüler nicht weiter weiß, dass er sich eine Hilfskarte nimmt, dann aber auch weiß, dass er maximal die Note „3” erreichen kann.

Wenn man darf, ist „Ernas” Vorschlag, Entwicklungspunkte zu geben, wenn das Kind einen großen Sprung gemacht hat. Es muss nicht alles richtig sein, aber die Mühe und der Lernfortschritt werden bewertet.

Sie schlägt ebenfalls vor Hilfeboxen im Klassenraum aufzuhängen, die man bei der Arbeit nutzen kann, zB mit Satzanfängen etc.

4 Authentische Schreibanlässe

Ich selbst bin ja großer Fan vom „task-based bzw. task-oriented learning” und versuche so oft wie es geht authentische Aufgaben aus dem Alltagsleben zu stellen.

Dazu gehören dann auch Schreibanlässe, mit denen Kinder und Jugendliche konfrontiert sein könnten. Super ist es natürlich, wenn man eine Partnerschule im Ausland hat, was, wie @profgiese sagt, zB über etwinning möglich ist. Folgende Themen funktionieren bei ihr gut:

  • Ich stelle mich / meine Familie den ausländischen Kindern und Jugendlichen vor
  • Wir präsentieren unsere Schule
  • Ich stelle mein Thema innerhalb der Aufgabe im Projekt vor.
  • Kreatives Schreiben mit Impulsen der Partnerklassen über Fotos/Anfangssätze/Schlüsselwörter je nach Projektaufgabe

Dabei müssen es nicht immer Brieffreundschaften in englischsprachigen Ländern sein! Vielleicht funktionieren sogar Brieffreundschaften mit SuS aus einem anderssprachigen Land, wo Englisch einfach auch als Fremdsprache gelernt wird, sogar besser! @grammar__llama sagt sie mache das jetzt zum zweiten Mal (1x mit spanischen Kindern, jetzt mit italienischen, 2.Kl Unterstufe, 11-13 Jahre, verschiedene vorgegebene Themen), und sie sei jedesmal ganz baff, wie motiviert plötzlich alle (auch längere Texte) schreiben.

5 Kreative Umsetzung

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es für die meisten Schülerinnen und Schüler viel motivierender ist, wenn sie wissen, dass ihre produzierten Texte auch gelesen werden. Noch motivierender ist es, wenn sie es sogar öffentlich machen dürfen. Sprich, wenn sie wissen, ich veröffentliche auf dem Blog oder auf Social Media oder wir nehmen an einem kleinen Wettbewerb teil, bemühen sie immer nochmal ein bisschen mehr. So schlägt auch @lehrercoach vor, dass man einen gemeinsamen Insta-Account mit englischen Posts befüllen lassen könnte.

Kreative Schreibanlässe kann man auch mit „Prompts” schaffen, die mal nicht aus Text bestehen. So gibt Savas den Tipp, dass man kreatives Schreiben fördern kann, indem die Kinder Gegenstände mitbringen. Diese werden vorne ausgestellt und sie müssen dann fünf in ihre Geschichte einbauen. So übe er immer die Aufgabe „write a suitable ending“.

Songs finde ich auch sehr gut, das hatte ich ja zB letztens auch im Post mit Beyonce zu den Conditional-Sätzen gezeigt. @nadsen_hh schlägt vor, diese umzuformulieren – vielleicht in „Standard-Englisch”?

Vielen Dank für die tollen Tipps aus dem #instalehrerzimmer! Besonderer Dank gilt @ms.chuck, @creatingteacher, @anisiabuen, @miss_ink21, @holunder, @debbie.lwl, @frau_raue, @carryscookie, @erna.erbsennase, @profgiese, @grammar__llama, @lehrercoach, @saveamn und @nadsen_hh.

Gutes Material

Darüber hinaus habe ich ein paar Materialien gefunden, mit denen ich selbst in den kommenden Wochen arbeiten möchte, um diese ganzen Tipps umzusetzen. Ich werde mich vor allem auf Kategorie 2 konzentrieren und (noch) mehr „Schreibgerüste” anbieten.

Schreibimpulse

Nicht immer bietet das Thema im Schulbuch genügend Möglichkeiten, sich daraus Schreibimpulse zu überlegen. Es gibt online unzählige Angebote. Hier habe ich “365 kreative Schreibimpulse” gefunden, die man auch schon im Anfangsunterricht nutzen kann. Beispielsweise:

  • Outside the Window: What’s the weather outside your window doing right now? If that’s not inspiring, what’s the weather like somewhere you wish you could be?
  • Dictionary Definition: Open up a dictionary to a random word. Define what that word means to you.

Solche Impulse werde ich auf kleinen Papierschnipseln vorbereiten, evtl. laminieren und dann zwischendurch ziehen lassen.

Lexical chunks

Auch für den Anfangsunterricht geeignet sind vorgegebene Begriffe, die eingesetzt werden können, ohne dass das Kind die genaue Grammatik dahinter versteht oder kennen muss. Dieser Blogartikel vom Veritas-Verlag zu „lexcial chunks” gefällt mir sehr gut, der auch nochmals die Vorteile erklärt und wie man es auch mit unseren Schulbücher machen kann.

Man kann die einzelnen Kapitel online anschauen oder nach Anmeldung das komplette PDF kostenlos herunterladen.

Chunking in längeren Texten

Man kann „chunking” auch nutzen, wenn es um einen ganzen Aufsatz geht. Hier (Pen & the Pad) habe ich gut verständliche vier Schritte gefunden:
Schritt 1: Schreibimpuls zu einem möglichst unbekannten Thema
Schritt 2: Lehrkraft macht vor, wie man das Thema herunterbrechen kann: Definition, Konflikte, mögliche Lösungen
Schritt 3: Aus diesen Teilthemen wird eine Gliederung erstellt
Schritt 4: Die Teilthemen in der Gliederung werden weiter ausgeführt

Man sieht also auch hier, dass ebenfalls bei älteren Schülerinnen und Schülern es ein bisschen auf das Vormachen und Geben von Beispielen ankommt. Eigentlich ist das auch selbstverständlich, wenn man genauer darüber nachdenkt: Die Wenigsten werden einem Text einfach so ansehen, ob er gut strukturiert ist und eine tolle Wortwahl nutzt und es dann auch noch einfach nachmachen.

Paragraph Writing

Eine weitere Idee aus dem #instalehrerzimmer war es, bevor die SuS überhaupt schreiben, zu einer Aufgabe einen eigenen Erwartungshorizont zu erstellen – und erst dann schreiben. Um eine Idee eines Erwartungshorizontes zu bekommen, habe ich bei Teachers Pay Teachers eine kostenlose „Paragraph Rubric” gefunden, die den SuS eine gute Übersicht liefert, woran sie sich orientieren können:

Material von To ELA and Beyond

Passend dazu habe ich – ebenfalls bei Teachers Pay Teachers – eine Präsentation gefunden, die erstens erklärt, was diese Bestandteile sind, und zweitens auch Beispiele vorgibt:

Material von Olivia Hicks

Creative Writing

Um wirklich kreatives Schreiben zu üben, werde ich dieses Material von “Teach With Compassion” einsetzen. Hier ist es zuerst recht gelenkt, was zum Üben aber gut ist. Dann wird es freier, aber trotzdem auch in den Anfangsjahren machbar, finde ich.

Birkenbihl-Methode

Es gab auch noch einen Tipp zur Birkenbihl-Methode. Von dieser Methode und dem gehirngerechten Lernen hatte ich zuerst von @beziehungsweise_schule (bezogen auf den Lateinunterricht) gehört. Online fand ich dazu passend die „Sprachduschen”, die die Methode so erklären:

Das Konzept kenne ich natürlich aus meinem bilingualen Zusatzstudium – halte es für das Schulen der Schreibkompetenz aber nicht ganz zielführend. Werde es mir aber in Zukunft genauer anschauen.

Umsetzung in meinem Unterricht

Ich werde nun in den kommenden Tagen und Wochen mein Material hier hochladen und dann vielleicht auch schon direkte Rückmeldungen aus dem Einsatz im Unterricht geben.

In Planung sind beispielweise eine Übersicht von Adjektiven. Meine 6. Klasse hat gerade gelernt, wie sie daraus adverbs of manner bilden und wie sie beide Wortarten nutzen, um Texte spannender zu gestalten.

Wenn du auch noch Ideen oder Material hast, das hierzu passt, melde dich gern, dann füge ich es mit ein!

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/kind-spielen-lernen-farbe-wissen-865116/

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