Finger weg! Ich könnte ja das Internet löschen…

So oder so ähnlich stelle ich mir manchmal den Gedankengang einiger Lehrer vor, wenn es um den Einsatz von „Technik“ geht (ich lasse es mal extra so allgemein).

Eigentlich bin ich weder zuständig für die Wartung der „Technik“ noch Beauftragte für die Medien an meiner Schule, da es aber wohl mittlerweile auffällt, dass „die Toller so ’ne Medientante“ ist, werde ich oft um Hilfe gebeten. Angefangen beim allseits beliebten Tool, dem „OHP“ 😉, über einen simplen CD-Player bis hin zum Smartboard. Überall gibt es Probleme, die viele anscheinend nicht selbst lösen können.

Man verstehe mich nicht falsch: ich helfe gern! Doch oft ist es wieder nur das Kabel, das nicht eingesteckt war, oder der An-/Aus-Schalter, der nicht gedrückt war. Ich weiß, ich bin da nicht allein in dieser Lehrerwelt. Claire Lotriet hat darüber vor kurzem einen witzigen Artikel für TES geschrieben und eine passende Karikatur dazu veröffentlicht:

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Claire Lotriet, tes.com (Genaue Quelle über Artikellink oben)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch woran liegt das? Es handelt sich bei Lehrern doch um intelligente Menschen, warum probieren sie es nicht einfach aus? Fehlt einfach das Interesse? Trauen sie es sich nicht zu oder haben sie tatsächlich Angst etwas kaputt zu machen? Oder ist es einfach nur eine Ausrede – dann muss man sich nicht selbst kümmern…

Dennoch bleibe ich motiviert und versuche auch in dieser Hinsicht meiner „Berufung“ nachzukommen: jedes Mal versuche ich eine kleine Lernphase einzubauen. Und sei es nur, dass man auf der Tastatur „Strg+C“ und dann „Strg+V“ klicken kann, um etwas zu kopieren und einzufügen. 🤓

Daher war ich auch heute fast aufgeregt als ich vom Digital-Kompass las:

So heißt es tatsächlich in der neuen OVP (= Ordnung des Vorbereitungsdienstes) NRW:

  • „Absolventinnen und Absolventen aller Lehrämter und aller Fächer weisen … nach: Kompetenzen zum fachspezifischen Umgang mit Informations- und Kommunikationstechniken sowie pädagogische Medienkompetenz“
  • „Ein Unterrichtsbesuch bezieht in besonderer Weise Fragen der Medienkompetenz … ein“
  • „Absolventinnen und Absolventen … integrieren moderne Informations- und Kommunikationstechnologien didaktisch sinnvoll und reflektieren den eigenen Medieneinsatz“

Quelle: IBASS Rundbrief #3 (Zitate sind fett gedruckt hervorgehoben) – Danke an WolfGang Schwarz!

So gut und toll das klingt, stellt sich mir hier natürlich die Frage, wie die Lehrer in spe das an den Schulen lernen sollen. Der Digital-Kompass muss also nicht nur an der Lehrerausbildung etwas ändern, sondern darf auch nicht die berufserfahrenen Lehrer vergessen oder vernachlässigen. Fort- und Weiterbildung muss unbedingt in das Konzept aufgenommen werden!

Sonst lernen die „Kleinen“ nachher wirklich noch, sie könnten mit dem falschen Knopf das Internet löschen 😆

 

Photo credit: https://pixabay.com/de/lehrer-schule-buchstaben-abc-797944/; Einfügung „Digitale Medien – Ich?“ durch Nina Toller

3 Kommentare

  1. „Doch woran liegt das? Es handelt sich bei Lehrern doch um intelligente Menschen, warum probieren sie es nicht einfach aus? Fehlt einfach das Interesse? Trauen sie es sich nicht zu oder haben sie tatsächlich Angst etwas kaputt zu machen? Oder ist es einfach nur eine Ausrede – dann muss man sich nicht selbst kümmern…“
    Vermutlich liegt es an alle diesen Dingen. Fehlende Anreize, Angst sich zu blamieren, weil man doch ‚Lehrer‘ ist und weil es keine Anreize gibt, dass man sich damit auseinandersetzt.
    Diese Anreize fehlen bereits im Studium und in der Ausbildung. Ich kann mich damit auseinandersetzen, muss es aber nicht, um Lehrer zu werden. Das war übrigens schon immer so. Wie ich vor 20 Jahren den CD-Player in meinem Unterricht einsetz, war ebensowenig für meinen Erfolg entscheidend, als auch die Tatsache, ob ich das Medium verwende.
    Dahinter steckt oft die Auffassung: „Ein guter Lehrer macht guten Unterricht, auch ohne Medien.“ Die Nutzung der Medien wird so in die Beliebigkeit gestellt. Erst wenn klar wird, dass der berufliche Erfolg und die Qualität des Unterrichts von der Medienkompetenz abhängt, dann wird aus der ‚exotischen Medientante‘ ein Vorbild für professionelles Arbeiten.

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