Gruppenpuzzle als Übersetzungsmethode in Latein

Überblick

Niveau: 2. Lernjahr
Lehrwerk: Felix Neu (Buchner)
Lektion: 21
Voraussetzungen: AcI (Gleich- und Vorzeitigkeit), Perfektformen mit v-u-s
Neue Grammatik: neue Perfektformen (Reduplikation, Dehnung, ohne Stammveränderung)
Dauer: 2-3 Schulstunden á 70 Minuten
Weiteres Material:

  • Stunde 1: Arbeitsblätter mit Arbeitsaufträgen für Gruppenarbeit
  • Stunde 2: Arbeitsblätter für Einzelarbeit, Schülerhandys, Kopfhörer, (WLAN)

 

Grober Ablauf:

Das Gruppenpuzzle ist so angelegt, dass sich zuerst fünf Gruppen mit der gleichen Thematik beschäftigen und so bereits den ganzen Text bearbeiten.

In der zweiten Phase werden vier Expertengruppen gebildet, in der alle Themen durch einen Schüler vertreten sind. Hier werden nur kleine Textabschnitte mit Hilfe der Vorarbeit übersetzt.

Im Anschluss wird das Gelernte in zwei Übungen angewendet. Die Übersetzungsrichtung ist diesmal von Deutsch nach Latein.

Als Abschluss können alle Themenbereiche der Lektion mit Hilfe von LÜK-Übungen bearbeitet werden.

Hinweis: Die Lektionstexte von Felix Neu sind bei Buchner online als kostenloser Download verfügbar → Link.

 

Detaillierter Ablauf:

Stunde 1:

Die Schüler saßen in normaler Sitzordnung (an unserer Schule meist in U-Form). Die Arbeitsblätter mit den Arbeitsaufträgen wurden verdeckt verteilt, sodass die erste Gruppe für die Expertenrunde (Gruppenarbeit 1) zufällig zustande kam.

➡️ Komplette PDF-Version

Über den Sitzplan am Smartboard sahen sie, an welchen Tisch sie sich begeben mussten.

Alternative: Der Sitzplan kann bei fehlendem Smartboard natürlich als Folie vorbereitet oder an der Tafel skizziert werden. Man sollte auf diese Visualisierung jedoch keinesfalls verzichten, da nur so ein reibungsloser Ablauf garantiert wird.

Die Schüler erhielten für die erste Phase 15 Minuten Zeit. Damit sie die Zeit immer im Blick hatten, zeigte ich meinen Handytimer über das Smartboard.

Alternative: Bei fehlendem Smartboard sollten Minutenanzahl sowie End-Uhrzeit an der Tafel / auf der Folie notiert werden. Die genaue Uhrzeit ist wichtig, da vor allem jüngeren Schülern ein Zeitgefühl fehlt und sie schlecht 15 Minuten einschätzen können. Eine Uhr sollte immer im Raum hängen.
Einen Timer über das Handy kann man trotzdem einschalten, sodass die Schüler an das akustische Signal gewöhnt werden und man seine Stimme nicht überbeanspruchen muss.

Nach Ablauf der Zeit begann die zweite Gruppenarbeitsphase. Aus den fünf Gruppen wurden nun vier. Zur Gruppenfindung dienten die Sticker, die auf den Papierstreifen mit den Arbeitsaufträgen angebracht waren. Auch diese Gruppen wurden dadurch zufällig zusammengestellt.

Wiederum sahen die Schüler am Smartboard, wo sie sich treffen und sitzen müssen, sowie den neuen Handytimer.

In dieser Phase erhielten sie nun die Zeilen, für die sie die „Codeknacker“ (siehe Arbeitsblatt, 2 Gruppenarbeit) waren.

Zum Übersetzen hatten sie 20 Minuten Zeit. Ich stand in der gesamten Zeit für weitere Fragen zur Verfügung und konnte mich so individuell um Gruppen kümmern, die kleinere Probleme bei der Übersetzung hatten.

Die Schüler arbeiten in der Gruppenarbeitsphase 2

Da alle Schüler den gesamten Text schon vorher gelesen und unter einem bestimmten Aspekt bearbeitet hatten, kannten sie den ungefähren Inhalt. Dadurch gab es keine Probleme durch fehlende Informationen, die in anderen Textabschnitten zu finden waren. Außerdem war ihnen die Pompeji-Thematik wegen der vorigen drei Lektionen nicht fremd.

Zum Abschluss fotografierte ich den Übersetzungstext von jeweils einem Gruppenmitglied, um die Übersetzungen nach und nach über das Smartboard zu zeigen.

Der Plan war nun, das Smartphone anzuschließen und die Fotos direkt in einer Bearbeitungsapp, wie z.B. Skitch, anzuzeigen, sodass Fehler sofort korrigiert werden können. Die korrigierten Texte wollte ich den Schülern über meinen Unterrichtsblog als Download zur Verfügung stellen.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit konnten wir aber nur noch die Übersetzungen ansehen und etwaige Fehler mündlich korrigieren.

Nachbereitung:

Anstelle der Smartphone-App habe ich die Bilder mit Hilfe meines iPad Pros und dem Pencil bearbeitet und diese dann als komplettes PDF auf die erwähnte Seite hochgeladen.

Beispiel eines korrigierten Textabschnitts
Beispiel eines korrigierten Textabschnitts

 

Alternative: Um den Schülern den gesamten Übersetzungstext zur Verfügung zu stellen kann z.B. auch ein Email-Verteiler oder eine Moodle-Gruppe genutzt werden. Sollte keins dieser „digitalen Instrumente“ zur Verfügung stehen, können die Fotos im Ausnahmefall kopiert werden.

Die Hausaufgabe zielte auf die Eigenverantwortung der Schüler, da sie nochmals die Übersetzungen der anderen Gruppen mit dem lateinischen Text vergleichen und so die gesamte Lektion nochmals verarbeiten sollten.

Alternative: Wenn die Schüler sich intensiver mit der Übersetzung beschäftigen sollen, wäre es auch möglich, dass sie mehrere, zufällig ausgewählte deutsche Sätze auf Schnipseln bekommen, die sie dann im lateinischen Text finden und aufschreiben sollen.

 

Stunde 2:

Diese Stunde war als reine Übungsstunde aufgebaut. Ich habe dazu die Übungen aus dem Arbeitsheft 1 zu Felix Neu (S. 44-45, Nr. 2 und 3) genutzt. Beide Übungen haben deutsche Sätze als Grundlage, die ins Lateinische übersetzt werden müssen. In Aufgabe 2 stehen die neuen Perfektformen im Vordergrund, in Aufgabe 3 der AcI mit Infinitiv Perfekt.

Die Schüler bearbeiteten nacheinander die Aufgaben, wer wollte, konnte mit dem Sitznachbarn zusammenarbeiten. Kontrolliert wurde aber nicht im Plenum, sondern per „InClass Flip“: Die Schüler nutzten ihr Smartphone und Kopfhörer.

Da es an unserer Schule kein WLAN gibt, habe ich mit meinem MacBook einen Hotspot geschaffen. Außerdem konnte ich auf einige schuleigene Kopfhörer aus dem Computerraum zurückgreifen, da einige Schüler keine Kopfhörer dabei hatten.

Über meinen YouTube-Kanal riefen sie die Erklärvideos (Aufgabe 2 | Aufgabe 3) zu den beiden Aufgaben auf und kontrollierten ihre Lösungen mit dem Video. Wichtig ist bei dieser Methode, dass sie genügend Zeit erhalten, das Video zu pausieren, manche Erklärungen nochmals anzusehen und ihre Übersetzungen zu korrigieren.

Wären trotz der Erklärungen im Video noch Fragen entstanden, hätte ich mir wiederum individuell für einige Schüler Zeit nehmen und Verständnisprobleme klären können.

Als einfache „Sprinteraufgabe“, sprich für Schüler, die schneller mit den Aufgaben fertig waren, hatte ich eine Vokabellernphase eingeplant, da in der folgenden Stunde eine Überprüfung anstand.

 

Reserve | Stunde 3

Diese Stunde habe ich als Abschluss der Lektion 21 genutzt. Nach der Vokabelüberprüfung konnten die Schüler diesmal eigenständig entscheiden, welchen Lernbereich sie weiter vertiefen wollten. So hatten sie die Wahl zwischen Vokabeln, neuen Perfektformen und AcI-Übungen.

Um diesmal vor allem die haptischen Lerntypen anzusprechen, habe ich die LÜK-Kästen mit den zum Lehrwerk passenden Heften benutzt.

Fazit und Feedback der Schüler

Ich habe die Methode des Gruppenpuzzles zum ersten Mal als Übersetzungsmethode eingesetzt. Sowohl mein Eindruck als auch die Rückmeldung der Schüler beweisen, dass diese Methode auch durchaus im Lateinunterricht Anwendung finden kann und sollte.

Die Schüler hoben besonders die gut funktionierende Vorarbeit und die Hilfestellung in der Gruppe hervor, sodass sie sich für zukünftige Stunden diese Vorgehensweise nochmals gewünscht haben.

Bei der nächsten Gelegenheit würde ich ein paar Minuten mehr Zeit pro Phase einplanen und die Gesamt-Sicherung direkt in die nächste Stunde verlegen. Außerdem würde ich bei der ersten Gruppenphase die Ergebnisse genauer überprüfen. Es wurde nämlich z.B. ein Subjekt falsch bestimmt, sodass der AcI im Satz falsch übersetzt wurde.

Die Stunde mit dem InClass-Flip hat sehr gut funktioniert und auch die Schüler sagten, dass sie besonders die Pause- und Rückspul-Funktion im Video gut fanden. Das könne man mit mir ja sonst nicht tun 😉

Den Abschluss mit den LÜK-Kästen würde ich genauso wiederholen.

 

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