Die Vorteile der Digitalisierung wirklich nutzen.

Meinen Unterricht pädagogisch sinnvoll erweitern.

Das sind zwei Überlegungen, die mich bei meinen Entscheidungen während der Unterrichtsvorbereitung leiten.

Kurze Hintergrundinformationen

Dieses Schuljahr habe ich eine 7. Klasse als neue Klassenleitung bekommen und so unterrichte sie auch in Englisch. Als ich angefangen hatte, meinen Unterricht etwas „digitaler“ zu machen, waren die jüngsten Schüler in der 8. Klasse. Doch ich denke, dass man mit kleinen „digitalen Phasen“ ganz früh anfangen kann.

Mein Teamparter hatte die gleiche Meinung. Also setzte ich einen „Willkommensbrief“ auf, der sich sowohl an die Schüler als auch die Eltern wandte, und erklärte beim Elternabend nochmals persönlich meine Vorhaben – und, dass es auch immer von der Klasse abhängen würde, ob sie darauf Lust hätten. Ein kleines bisschen selbstbestimmes Lernen also 😉

← Das ist der Brief an die Klasse (wer möchte, kann das PDF gern als Vorlage nutzen).

 

 

 

 

Smartphone-Einsatz im Unterricht

So kam das Handy schon oft in meinem Englisch-Unterricht zum Einsatz. In den ersten Stunden bin ich aufgrund meiner Erfahrungen in den anderen Klassen erst einmal ganz unbedarft an die Stunden herangegangen. Doch dabei beachtete ich nicht, dass diese Klasse ja NOCH NIE vorher ihr Smartphone im Unterricht einsetzen durfte!
(Meine Handhabung zu Smartphones: siehe hier.)

Es folgten also Gespräche über Handyregeln im Unterricht (die die Schüler übrigens selbst nannten), kleinere Schulungen zu den Einstellungen am Handy inkl. Privatsphäre und und und. Außerdem muss ich die „Handystunden“ immer vorher ankündigen, sodass auch alle eins dabei haben. Für diese 7. Klasse gehört es einfach (noch) nicht zum Alltag dazu, ihr Smartphone immer dabei zu haben.

Nachdem diese Dinge alle geklärt waren, konnten wir also Sprachaufnahmen, Dialoge, kleine „Diashows“, Bildschirmpräsentationen, Street-View-Touren usw. erstellen. Wir haben das Glück, dass wir in einem der zwei (!) Klassenräume im Altbau sind, die einen Beamer und eine Dokumentenkamera fest installiert haben.

Unsere Fremsprachenassistentin

Wo ich gerade von Glück rede: Im letzten Schuljahr hatten wir ebenfalls eine Fremdsprachenassistentin aus England bei uns. Emily Heathcock stammt aus Birmingham und studiert in Manchester. Da ich immer die betreuende Lehrkraft für die englischen „FSA“ bin, hatten wir auch den meisten Kontakt und man könnte sagen wir freundeten uns an. (Falls jemand das Konzept der FSA nicht kennt, hier gibt es die Informationen vom PAD (Pädagogischer Austauschdienst). Die Bezirksregierungen legen ihre Termine nochmals selbst fest.)

Als in besagter 7. Klasse die Unit anstand, die eben in Manchester spielt, habe ich direkt an Emily gedacht. Nach den wirklich gut gelungenen Skype-Gesprächen mit Benjamin Zephaniah und Kirsty Murray im letzten Schuljahr dachte ich, dass ein Skype-Gespräch mit Emily vielleicht auch das richtige Medium für uns wäre.

Also sprach ich mit ihr online darüber, wie wir das hinbekommen könnten. Auch sie war von der Idee ganz begeistert und schlug vor, dass sie uns Manchester ja einfach über Skype zeigen könnte.

Vorbereitung des Skype-Gesprächs

Ein weiterer glücklicher Aspekt ist, dass auch meine Kollegin, mit der ich schon parallel im Leistungskurs arbeitete, ebenfalls eine siebte Klasse dieses Jahr bekommen hat. Also war ja klar, dass wir das Gespräch gemeinsam vorbereiten.

So sammelten wir während der Unit im Schulbuch (English G21 A3, Cornelsen) Fragen der Schüler. Ein kleiner, ganz analoger Ausschnitt aus meiner Klasse:

Diese Fragen sendete ich dann im Voraus an Emily, sodass sie sich schon auf das Gespräch und die Fragenbatterie vorbereiten konnte 😉

Natürlich konnte sie beim Gespräch nicht alles zeigen, Manchester ist ja nicht gerade klein. Da ich selbst und auch meine Kollegin leider noch nie dort waren, überließen wir die Auswahl Emily, sie war ja schließlich die Expertin.

Nun musste noch ein Termin gefunden werden. Nach Absprache mit dem Schulleiter konnten wir den Anfang einer Mittagspause nutzen, da die geplanten 30 Minuten leider nicht mehr in unsere Vormittagsstunden passten. Mit einem kleinen Elternbrief war das aber auch kein Problem und die Schüler selbst waren Feuer und Flamme!

Live in Manchester über Skype

Meine Kollegin ging nochmals die Fragen mit den Schülern durch und stellte sicher, dass jede Frage von einem Schüler gestellt würde – und dieser dann auch darauf reagieren könnte und nicht einfach wieder von der Kamera weggehen würde.

Währenddessen kümmerte ich mich um die Technik. Ich schloss meinen eigenen Computer an ein Smartboard an, sodass wir die Webcam und meinen eigens eingerichteten „educational“ Skype-Account nutzen konnten. Außerdem ließ ich noch die Bildschirmaufnahme (mit Quicktime) mitlaufen, sodass wir uns das Gespräch im Anschluss bei Bedarf nochmals ansehen könnten.

Emily hatte sich für das Zentrum von Manchester entschieden. Sie lief mit ihrem Handy durch die Straßen, ging auf die Fragen ein und erklärte uns dabei die ein oder andere Sehenswürdigkeit, indem sie auch einfach die Kamerarichtung von Vorder- und Rückkamera wechseln konnte. Als wir keine Fragen mehr hatten, führte sie uns einfach ein bisschen weiter als „Tourist Guide“ rum und konnte uns so zum Beispiel auch die Vorbereitungen für den St. Patrick’s Day zeigen.

Die Schüler und auch wir Lehrer konnten sogar echtes Manchester-Wetter kennenlernen, wie Emily sagte, es nieselte nämlich und war ein bisschen windig. Nach circa 20 Minuten konnten wir unser Gespräch glücklich beenden und alle Seiten waren begeistert.👍🏻

Fazit

Im Anschluss bat ich Emily noch mir auch von ihrer Seite eine Rückmeldung zu geben. Hier ist, was sie schrieb:

Ich fand es eine so schöne Idee, einen Skype-Anruf im Unterricht einzusetzen, damit die Schüler einen Ort aus ihrem Englischbuch ‘besuchen’ können. Eine Stadt im wirklichen Leben zu sehen ist viel spannender als nur darüber zu lesen, und ich habe mich sehr gefreut, ihnen Manchester zeigen zu können. Abgesehen vom schlechten Wetter (was in Manchester zu erwarten war), lief es sehr gut, und ich hoffe, die Schüler und Lehrer haben es so sehr genossen wie ich!

Das kann ich nur bestätigen und es jedem Lehrer empfehlen! Microsoft hat übrigens eine eigene „Skype in the Classroom„-Sparte und listet dort zum Beispiel auch mögliche Partner, die für solche Gespräche verfügbar sind 😉

Habe ich die Vorteile der Digitalisierung genutzt? Ja, ganz klar.

Habe ich meinen Unterricht pädagogoisch sinnvoll erweitert? Auf jeden Fall.

Was ist mit euch? Könnt ihr euch das für euren Unterricht vorstellen?

 

Emojis in den Bildern sind von emojione.com

2 Kommentare

  1. Prima Sache und bestimmt motivierend. Könnte man vielleicht auch mit anderen Ländern machen, die vielleicht auch nicht unbedingt englischsprachig sein müssen. Schließlich lernen die Schülerinnen und Schüler ja auch deshalb Englisch, weil es internationale Verständigungssprache ist.

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