Verstaubtes Schulfach? Tote Sprache? Unnütz? Von wegen! Auch und vielleicht gerade diese alte Sprache kann sehr gut von digitalen Medien und den damit verbundenen Förder- und Fordermöglichkeiten profitieren.

Hinzu kommt das Landesvorhaben, dass die „Digitalisierung“ Einzug in alle Fächer erhält. Also sind auch die Ausbilder gefragt, sprich die Fachleiter, die die Referendare für den digitalisierten Unterricht fit machen sollen.

Jedes Jahr findet für ganz NRW eine Fachleitertagung statt, die ein Thema, das von den Fachleitern selbst gewählt wurde, in den Vordergrund stellt. Im Jahr 2018 sollte es die Digitalisierung sein. An dieser Stelle kam ich ins Spiel: Der Verantwortliche für die Organisation recherchierte und fand mich über meine Blogbeiträge zum Lateinunterricht. Einige Telefonate und ein Kuchenstück später war ich also quasi engagiert, die Fachleiter für Latein (und Altgriechisch) in NRW im Einsatz der digitalen Medien fortzubilden. Ich freute mich sehr und fühlte mich sehr geehrt!

Erst nachdem ich zusagte, wurde mir bewusst, dass ich, also die mit der kleinen Fakultas in Latein, den Profis der Didaktik etwas beibringen sollte. Ein weiteres Mal musste ich schlucken, als mir klar wurde, dass ja dann auch diejenigen dabei sein werden, die mich ausgebildet haben. Huch! Diesen Rollentausch hatte ich ja gar nicht bedacht! In meinem ganzen Idealismus hatte ich einfach nur gedacht, dass so noch mehr Lehrer die Vorteile der digitalen Medien kennenlernen und hoffentlich anwenden werden.

Zu letzterem Gedanken kam ich aber auch schnell wieder zurück. Natürlich fühlte ich mich noch immer etwas wie „die kleine Nina bei den Großen“, aber genauso wusste ich auch, dass ich ihnen auf dem „digitalen Gebiet“ wohl wirklich etwas zeigen konnte.

Mit vollem Eifer bereitete ich also die zwei Tage vor, an denen es um theoretischen Input und vor allem das praktische Ausprobieren gehen sollte. Ich wollte einen knackigen Überblick geben, aber eben auch viel Zeit und Raum zum Üben und Produzieren lassen. Auch konnte ich im Voraus nicht wissen, mit welchem „Niveau“ ich bei der Gruppe zu rechnen hatte. Also bereite ich kleine Schritte vor und plante mehr als eine Option ein.

Das richtige Setting für die Tagung bot das Römermuseum in Haltern. Dort bekamen wir natürlich auch noch einen Einblick, wie das Museum aufgebaut ist, welche Führungen es für Schulklassen gibt und welche Rolle Haltern bei den Römern spielte.

Sehr beeindruckend fand ich den Einbezug der Playmobil-Figuren, auch wenn diese Stücke nicht antik sind. Die Armee durchlief das ganze Museum:

Überhaupt war das kleine Museum sehr liebevoll und auch etwas humorvoll angelegt. Man kann sogar eine Entdeckertour mit iPad machen:

Im Anschluss an die Museumsführung begann der erste Teil meines Workshops. Beim genannten Überblick wollte ich Quiz-Apps, Erklärvideos, Online-Speicher und natürlich QR-Codes ansprechen und in kleinen Häppchen ausprobieren lassen. Der eigentliche Praxisteil für den Unterricht sollte am nächsten Tag stattfinden. Doch bevor ich meine Ideen präsentierte, wollte ich erst einmal wissen, was die Teilnehmer schon kannten und was ihnen so vorschwebte. Dazu benutzte ich einen Answergarden:

Ich konnte also auf ein wenig Vorwissen zurückgreifen und mit meinem geplanten Überblick starten. Das Ganze klappte auch sehr gut, nur zeitlich etwas verzögert. Da das Museum leider kein WLAN anbot, habe ich sowie einige andere Teilnehmer einen Hotspot angeboten. Allerdings war es mehreren Teilnehmern nicht klar, wie sie ihre WLAN-Einstellungen öffnen („zu Hause ist man ja schließlich einfach so drin“). Dass ich diesen Grund der Verzögerung extra erwähne, soll keine Lächerlichkeit sein, sondern für mich und vielleicht auch für andere, die fortbilden, nochmals eine Art „Memo“ sein, dass man auch darauf Rücksicht nimmt und nicht schon drei Schritte später anfängt.

Beim Praxisteil am zweiten Tag waren alle aber Feuer und Flamme und sehr intensiv in die Erstellung von Produkten vertieft. Viel wurden QR-Codes verwendet, aber auch Erklärvideos mit PowerPoint erstellt.

Besonders wurde die Möglichkeit der Differenzierung von den Teilnehmern hervorgehoben.

Sie wollen die QR-Codes für Vokabelhinweise, hilfreiche Tipps oder auch weiterführende Aufgaben nutzen.

Sie dachten auch darüber nach, Audio-Dateien mit Erklärungen des Lehrers für die Übersetzung einzusetzen.

Ich finde es natürlich super, dass meine „Lieblinge“ so gut ankamen und eingesetzt werden.

 

Ich hatte die zwei Tage also nicht nur selbst gut überstanden, sondern auch bei den Teilnehmern gesehen, dass sie wirkich Interesse hatten, das Gelernte in ihren Seminaren umzusetzen.

Nach der offiziellen Verabschiedung kamen noch mehrere Fachleiter auf mich zu, die mich für ihr Seminar „buchen“ wollten. Die Idee war, mehrere Seminare zusammenzulegen, sodass ich den Referendaren das auch nochmal persönlich zeigen konnte. Die Fachleiter fühlten sich zwar selbst gut vorbereitet, aber noch nicht ganz in der Lage das alles auch so erklären zu können.

Gesagt, getan.

Diese Woche habe ich es also trotz widriger Umstände (glühende Hitze, HipHop-Barbecue der Wiwis vor dem Fenster, Farbschlucker-Beamer und komischer Verbots- und Hinweisschilder) ganz erfolgreich geschafft, 35 werdende Lateinlehrer aka Referendare für Unterricht mit digitalen Medien zu begeistern. Das Feedback „am tollersten“ ließ mich natürlich besonders schmunzeln:

Da es einige Nachfragen zu diesem Workshop auf meinen Social-Media-Kanälen gab, stelle ich auch hier die Präsentation zur Verfügung:

Hier kann man sich direkt eine Kopie für seine eigene Ablage bei Google Drive machen.

Auch ich bedanke mich also nochmals bei allen Teilnehmern für das Interesse und das Ausprobieren in der Zukunft!

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare