Abiturkorrektur – Praktische Tipps

Falls ihr hier ein Wundermittel erwartet, wie man komplett um die Korrektur herumkommt oder sie sogar outsourcen könnte *hust*, muss ich euch leider enttäuschen. Aber ich möchte gern meine Erfahrungen teilen, die ich in den letzten Jahren sammeln konnte, die meine Korrekturlast ein kleines bisschen ent-lasten.

Momentan habe ich selbst noch die Korrektur des Englisch-Leistungskurses vor mir, daher sind die Beispiele darauf bezogen. Natürlich lassen sie sich auf andere Situationen anpassen.

Organisatorische Vorbereitung vor der Korrektur

Im Englisch–Abitur gibt es normalerweise immer zwei Vorschläge, dieses Jahr quasi als Corona-Bonus noch einen dritten dazu.

Damit ich diese nicht sortieren muss, habe ich drei Kästen beschriftet mit “Vorschlag 1 / 2 / 3” aufgestellt, in die die Schülerinnen und Schüler bei Abgabe ihre Klausur legen sollten.

Dazu habe ich, wie man hier auf dem Bild sieht, einfach die Deckel von den Kartons des Kopierpapiers genommen.

Eine weitere Entlastung zur Sortierung lasse ich ebenfalls durch die Schülerinnen und Schüler vornehmen. In NRW können sie sich in der dritten Aufgabe zwischen zwei Aufgabenstellungen entscheiden, das eine eher ein Comment (3.1) oder eine Kreativaufgabe (3.2). Da ich gern erst alle 3.1-Aufgaben und dann 3.2-Aufgaben korrigiere, sollen die Schülerinnen und Schüler am Ende auch auf den sogenannten Mantelbogen ihre Wahl schreiben.

So muss ich nicht erst alle Bögen, die im Abitur wirklich viele sein können, durchforsten und suchen, wo ihre dritte Aufgabe beginnt, um dann festzustellen, ob sie 3.1 oder 3.2 bearbeitet haben.

Ich halte die Schülerinnen und Schüler außerdem dazu an, einen “Ergänzungsbogen” zu nutzen, auf dem sie alle Dinge, die sie nachträglich hinzufügen wollen, als Endnoten sammeln.

So habe ich keine Sternchen und Fußnoten, die ich wild suchen muss. Auch die SuS haben es so viel übersichtlicher und auch genügend Platz, um weitere Aspekte, Gedanken und Ideen zu formulieren, ohne es irgendwo hinquetschen zu müssen.

Hinweis: Vor allem diese beiden Dinge, das Schreiben der Aufgabe auf den Mantelbogen als auch die Endnoten brauchen Übung bei den SuS, dass sie daran denken. Also fängt man am besten schon früh damit an, spätestens VOR der ersten Klausur in der Q1, sodass man im Unterricht die Bögen vorbereiten lässt. 😇

Während der Klausur

Wenn alle ihre Plätze eingenommen haben, die Formalitäten geklärt sind, die Heldenpose durchgeführt, der Sitzplan fertig geschrieben und die Auswahlzeit vorbei ist, widme ich mich der “Umschlagmappe”:

Hier müssen alle Schülerinnen und Schüler alphabetisch eingetragen werden. Ich trage mittlerweile nur noch den Nachnamen ein, es sei denn, dieser ist mehrfach vergeben.

Nach einer gewissen Zeit, also auch noch einige Zeit nachdem die Auswahlzeit von 30 Minuten vorbei ist, gehe ich durch den Raum und notiere mit Bleistift neben dem Namen die Nummer des Vorschlags. So habe ich schon einen groben Überblick, wie viele SuS welchen Vorschlag ausgewählt haben.

Das, wie ich finde, Unnötigste kommt dann später: Wenn alles korrigiert ist, sortiere ich die Klausuren wieder alphabetisch und zähle die Seiten – und beschrifte sie auch dementsprechend. In der Spalte “Seite” muss ich dann die Seitenzahlen eintragen, von wo bis wo die Klausur des jeweiligen Schülers geht. Manche Bezirskregierungen haben diese Beschäftigungsmaßnahme bereits abgeschafft, Düsseldorf besteht auf Nachfrage allerdings darauf…

Vorbereitung des Bewertungsbogens in Excel

Für jeden Vorschlag gibt es einen ausführlichen Erwartungshorizont und diesen dann nochmals in Kurzform als Bewertungsbogen. Leider ist dieser nur auf Papier. Dieses Jahr habe ich es gemacht, wie ich immer alle Klausuren korrigiere: ich habe den Bewertungsbogen in eine Excel-Tabelle übertragen, die mir dann nicht nur die Punkte automatisch berechnet, sondern mir auch die Note direkt ausrechnet und anzeigt. Ich habe diesen so “präpariert”, dass ich diese Tabelle dann, nachdem auch der Zweitkorrektor damit gearbeitet hat, für jeden Schüler und jede Schülerin ausdrucken und dann nur noch unterschreiben werde.

Wer diese Vorlage auch nutzen möchte, klickt einfach auf das Bild, dann könnt ihr die Excel-Vorlage herunterladen. Dort, wo es rot markiert ist, müsst ihr eure Angaben einfügen und natürlich noch die Anfänge für die Aufgaben 1, 2 und 3 einfügen. Die Sprachpunkte und Mediation sind immer gleich, daher habe ich es ausgefüllt gelassen.

Für jeden Prüfling kopiere ich die jeweilige Vorlage, entweder 3.1 oder 3.2, je nachdem welche Aufgabenstellung gewählt wurde, per Rechtsklick auf “Vorlage 3.X” und ersetze den Tab mit dem Names des Prüflings:

Rechtsklick auf die jeweilige Vorlage, dann “Verschieben oder kopieren” auswählen…
… dann “ans Ende stellen” auswählen und WICHTIG unten noch “Kopieren” anklicken.

Die inhaltliche Vorbereitung

Ich fange immer mit dem Vorschlag an, den die wenigsten Prüflinge ausgewählt haben. Das motiviert mich, wenn ich weiß, dass ich einen Vorschlag dann schon recht schnell komplett abhaken kann.

Ich lese dann zuerst den Text von Teil A “Lesen und Schreiben” und bearbeite diesen Text so, als würde ich ihn selbst analysieren. Ich markiere mir auffällige sprachliche Dinge, schaue Begriffe nach und notiere mit Bleistift meine Gedanken am Rand. Dann lese ich erst richtig Aufgabe für Aufgabe und vergleiche, was im Erwartungshorizont steht, mit dem, was ich mir beim Lesen gedacht habe. Evtl. notiere ich weitere Auffälligkeiten, weil in den Erwartungshorizonten oft “zum Beispiel” aufgeführt ist. Bei der Analyseaufgabe füge ich außerdem die Zeilenangaben hinzu, damit ich das später besser abgleichen kann.

Dann lege ich mir drei “Pakete” zurecht: Ich trenne die Klausuren in die zwei Teile und nehme mir zuerst den Teil A vor. Erst, wenn ich alle drei für Teil A gelesen und bepunktet habe, gehe ich zu Teil B, der Mediation über. Diese bearbeite ich dann wieder erst selbst, bevor ich mir die Lösungen der Schülerinnen und Schüler ansehe.

Diese inhaltliche Vorbereitung passiert natürlich in dem Ausmaß nur bei den ersten drei Klausuren, bei den nächsten Päckchen schaue ich mir nur kurz nochmal alles an, weil ich es dann schon im Kopf habe. Um die Übersicht über die Aufgaben und Texte zu haben, sodass ich Beispiele schnell nach Textstellen schauen kann, die die SuS in der Klausur beschrieben haben, hänge oder lege ich mir alles übersichtlich zurecht:

Die eigentliche Korrektur

Anfangs habe ich auch diese drei Päckchen pro Aufgabe gelesen, das mache ich mittlerweile nicht mehr. Ich lese pro Prüfling eine Aufgabe und korrigiere sie zuerst sprachlich. Dazu nutze ich die vorgeschriebenen Korrekturzeichen, die man auf den Seiten der Standardsicherung finden kann, und schreibe sie in meiner Farbe des Erstkorrektors (≈ Farbgruppe rot) an den Rand. In der Abiturklausur verzichte ich auf Positivkorrektur oder Hinweise. (Das vergesse ich allerdings manchmal, weil man das ja sonst gewohnt ist.) Wenn ich einen Kommentar für den Zweitkorrektor habe, nutze ich ein kleines Post-It, das ich an die Stelle klebe.

Im zweiten Lesedurchgang der Aufgabe lege ich den Erwartungshorizont daneben und schreibe mit Bleistift an den Rand, für welchen Bereich ich hier Punkte geben würde:

Die Korrekturzeichen in NRW sind leider auch für die Englisch-Klausuren auf Deutsch anzugeben.

Jede Aufgabe ist in Teilpunkte unterteilt. Wie man rechts sehen kann, habe ich hier also Punkte für den Teilbereich 2 (diskutiert unter…) und für den Teilbereich 3 (formuliert auf …) vergeben.

So kann ich dann bei der Bepunktung der einzelnen Aufgabe überprüfen, wie viele Aspekte von dem Prüfling genannt wurden.

Auf diese Art korrigiere ich alle drei Aufgaben von Teil A bei jedem Prüfling. Wenn ich bei allen Prüflingen Teil A fertig bepunktet habe, gehe ich zu Teil B, der Mediation, über. Hier setze ich meist Häkchen statt dieser Zahlen, da es für den gesamten Inhalt 18 Punkte gibt.

Nach diesem “Dreierpack” benötige ich dann eine Pause. Wenn es gut läuft, braucht die Korrektur und Bepunktung einer einzelnen Klausur zwischen 45-60 Minuten. Da kann man sich dann vorstellen, warum ich nach drei Klausuren erst einmal etwas anderes machen muss. Meist mache ich auch nach Fertigstellung von Teil A eine kleine Bewegungspause bevor es dann wieder an Teil B geht.

Weitere Tipps

  • Um, sagen wir, rechtlich abgesichert zu sein, müssen leere Seiten durchgestrichen werden. So kann im Anschluss kein Schüler noch etwas hinzufügen – äußerst theoretischer Vorfall beim Abitur, aber gut. Dazu habe ich immer auch mein großes Lineal griffbereit und immer, wenn ungefähr mehr als eine Drittelseite frei ist, wird durchgestrichen.
  • Das Seitenzählen ist mir ein Graus, das hat man vielleicht schon gemerkt. Ich mache es zumindest bei den Arbeitsblättern so (es sind immer um die 13), dass ich sie tackere und nur auf die erste und letzte Seite die Seitenzahl schreibe.
  • Sobald ich einen Vorschlag fertig habe, gebe ich diesen an den Zweitkorrektor weiter, sodass dieser nicht von dem ganzen Stapel erschlagen wird.
  • Wenn wir beide alle Klausuren fertig bewertet haben, setzen wir uns nochmal zusammen und sprechen über mögliche Unterschiede. Wenn wir diese nicht lösen könnten und es sich auf die Note auswirkte, müsste die Korrektur zum Drittkorrektor. Das ist mir allerdings noch nie passiert.

Fragen und Antworten aus dem Instalehrerzimmer:

Bevor ich den Blogartikel schrieb, habe ich bei Instagram gefragt, ob es ganz konkrete Fragen gibt.Die meisten Fragen zielten auf die Zeit, wie lange man zur Korrektur braucht, und wie viele Durchgänge man für die Bewertung ansetzt.

  1. Guckst du dir die Namen an oder verrät die Schrift es schon? – Bei der Auswahl der Dreierpäckchen schaue ich nicht auf die Namen. Die Handschrift verrät aber meist schon, “wen man vor sicht hat” und natürlich muss ich auch bei der Bepunktung wissen, um wen es sich handelt. Also ja, ich weiß, wer es ist, aber versuche mich natürlich nicht davon beeinflussen zu lassen.
  2. Wie viele Durchgänge brauchst du zur Korrektur? – Ideal ist es wie oben beschrieben, ich lese einmal sprachlich und dann inhaltlich. Manchmal muss ich mir aber auch ganze Absätze vorlesen, damit ich sie verstehe.
  3. Wie viele Klausuren schaffst du am Tag? – Bei den Abiturkorrekturen komme ich meist nicht über das Dreierpäckchen hinaus. Schließlich habe ich noch Unterricht und muss auch diesen vorbereiten oder Rückmeldungen für die anderen Schülerinnen und Schüler geben. Da jetzt die Unterrichtsstunden des Abiturjahrgangs wegfallen, schaffe ich manchmal etwas mehr pro Tag. Das sind dann aber wirklich MAXIMAL fünf.

Habt ihr noch weitere Tipps oder Fragen? Nutzt gern die Kommentarfunktion!

Beitragsbild: Pixabay License https://pixabay.com/de/photos/schreiben-person-papierkram-papier-828911/

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